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Aus »Götzenspiele. Tragödie«.   Vers 69235 bis 69265

ZWEITER AUFZUG. ERSTE SZENE


Ein Bauernhof, im Hintergrund Berge. Ganz rechts steht ein Gartentisch mit Stühlen unter einer Linde. Maria beim Ziegenfüttern, Weißlingen mit zerzausten Haaren.

WEISSLINGEN: Wo ist der Regisseur?

MARIA:                 Ich kenne keinen.

WEISSLINGEN: Der Intendant?

MARIA:                 Da lachen ja die Ziegen.

WEISSLINGEN: Die Posse kulminierte, will mir scheinen.

MARIA: Es könnt am Bier und zu viel Schnäpsen liegen.

WEISSLINGEN: Ein Feierabendbier ist kein Gelage.

MARIA: Die Pumpe da, das Frühstück unterm Baume.

WEISSLINGEN: Ich will hier raus!

MARIA:                 Das willst du, keine Frage,
Sieh endlich ein, das schaffst du nicht im Traume.
(Ab. Er nach links, wird von einem kräftigen Kerl aufgehalten.)

WEISSLINGEN: So wurde ich in Wirklichkeit gefangen,
Daß Götzens Stück verlaß die Bühnenbretter.
Er meint die Zeit, die tot und ganz vergangen,
Zu holn, und sieht in mir den Kindheits-Vetter.
(Er trottet zur Pumpe, wäscht sich, setzt sich an den Eßtisch.)
Mach ich zum bösen Spiel nun gute Miene?
Kein Telephon, die Polizei zu hetzen,
Allein im Schein, ich sei auf seiner Schiene,
Hoff ich, ein Schrittchen vor den Hof zu setzen.
Es bleibt mir gar nichts übrig, als zu lügen,
Ich fänds bequem im sonnigen Exile,
Ausschau zu halten, wie sich alles fügen
Und drehen wird im weitern Götzenspiele.
Auch kann die Zeit ich nutzen zu erdenken
Die ärgste Rache, die je ausersonnen,
Ich werde mir den Nacken nicht verrenken,
Im Geist wird jedes Attentat begonnen.
Doch freilich wär es nützlich auch der Rache,
Und nicht nur, um den Ausbruch hier zu schaffen,
Ich wüßte mehr vom Zweck von Götzens Sache,
Denn ein Motiv bewegt sogar den Affen.