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Aus »Götzenspiele. Tragödie«.   Vers 70337 bis 70392

VIERTER AUFZUG. FÜNFTE SZENE


Götz, Metzler.

METZLER: Ich bin kein Arzt, auch keiner von der Presse,
So wähn ich mich in diesem Haus willkommen!

GÖTZ: Ich rede laut, wenn ich mich mal vergesse,
Und fürcht, Sie haben was davon vernommen.

METZLER: War unvermeidlich, aber keine Sorge,
Der Freund bekräftigt, was da ausgesprochen,
Ich hoff, wenn ich den letzten Reim mir borge,
Urheberrecht wird nicht von mir gebrochen.

GÖTZ: O nein, es ist Gemeingut, was ich sage,
Die Wahrheit sei dem Volk zum Nulltarife,
Verwertung allen Sinns ist eine Plage,
Und überhaupt solch Weltbild ist das schiefe.
Was führt Sie her? Was schafft mir diese Ehre?
Ich wüßte nicht, was dieser Hof Ihn’ böte.

METZLER: Ich wanderte durch Buchfahrt und am Wehre
Fand ich die Anschrift im Gedichtband Goethe.
Das schien mir wie ein Wink, dem Weimaraner
Mal nachgesprochen, der am Ilmenufer
Gefährte mir. Ich bin ein schlechter Planer
Und überseh am Wege manchen Rufer.

GÖTZ: Wann hab ich die Adresse aufgeschrieben?

METZLER: Es ist ein Jahr schon her und war in Halle.

GÖTZ: Vom Bunde damals ist nicht viel geblieben.
Wie optimistisch warn wir damals alle!

METZLER: Trump war noch Präsident, wir fabulierten,
Dem Deutschen Reiche würde endlich Frieden,
Der Zug, den schwarz-weiß-rote Fahnen zierten,
War nicht bereit, der Freiheit Schwert zu schmieden.
Er zeigte sich als Luft, Salon-Geplänkel,
Er mochte nur an Oberflächen kratzen,
Daß dieser Krug von Ton und ohne Henkel,
Es pfiffen von den Dächern bald die Spatzen.

GÖTZ: Ein Leitstern hinterm Teich, hier aber keiner!
Der Deutsche braucht den Herzog aus der Krise.

METZLER: Ich sehe nicht ein Fünkchen von dem Einer.
Dies wag, wer mag, den Klugen ist Devise.

GÖTZ: Wir haben wirklich viele kluge Leute,
Doch fehlts an Mut, am Mutigen wie Luther,
Der sagt: Ich stehe vor verhetzter Meute
Und jedem, der mir sonstwas unterbutter.

METZLER: Ich will die Klugheit aber nicht verpönen,
Sie macht uns heiter und damit auch mutig,
Grad Goethe ist nicht nur ein Freund des Schönen,
So mancher Vers beißt mir die Lippe blutig.
Verniedlicht hat man ihn im Schulbetriebe,
Jedoch in Frankreich ward der „Faust“ verboten,
Er schreibt nicht nur von Liebelei und Liebe,
Er zeigt das Zeug, den bösen Geist zu schroten.
Wer konstruiert den Gegensatz zu Schiller,
Will beide nur als Egomane zähmen,
Und wird das deutsche Lied im Lande stiller,
So sollten sich zuerst die Fälscher schämen,
Die, selber egoman, nur Eitles finden,
Wenn sie in Versen großer Dichter stöbern,
Deutschlehrer muß man züchtigen und binden
Mit feinen Stricken nicht, sondern mit gröbern.