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Aus »Anna Luise. Trauerspiel«.   Vers 63814 bis 63887

EPILOG


Der Pfarrer und Kriminalkommissar Kopp treffen sich, aus verschiedenen Richtungen kommend, vor dem Vorhang.

KOPP: Herr Pfarrer, was verlangt zu früher Stunde,
Mein Kommen, eh ich den Kaffee getrunken,
Was gibts zu schaun in dieser Modergrube?
Ich glaub, mir hat es selten so gestunken!

PFARRER: Mein Herr, Sie würdens unbesehn nicht glauben,
Zu sprechen ist von beispielloser Schändung,
Wer unterstand sich bloß, so schnöd zu rauben,
Und zeigte Niedertracht uns in Vollendung?
Ein tellergroßes Loch durch beide Särge,
Den hölzernen und den aus Zink gelötet,
Die Räuber warn schon über alle Berge,
Eh erster Morgen auf der Stadt gerötet.
Sehn Sie, die Hände der Verstorbnen suchend,
Schlug man hinein mit rohesten Gewalten,
Den Frieden unsrer großen Kirche fluchend,
Versuchte man ein Kleinod zu erhalten.

KOPP: Daß man hier arg gestört die Totenruhe
In einer Gruft, wo Menge nicht noch Presse,
Ist, mit Verlaub, nichts das ich selber tue,
Obs Raub sei oder eine schwarze Messe.
Um solch Vergehn behördlich anzuzeigen,
Ist jede Polizeidienststelle offen,
Dies ist kein Grund für mich, hiereinzusteigen,
Sind Sie auch, wie verständlich ist, betroffen.
Ihr Anruf klang wie eine Kahlkopf-Rotte,
Die plündert, und so hat mich herbefohlen,
Die Sorg, daß dies der Öffentlichkeit spotte,
Vielleicht gar mit verbotenen Symbolen.

PFARRER: Es ist die Ruh der einstgen Landesmutter,
Die so, als ob sie Christi folge, lebte,
Und nicht grad als ein Klatschgazetten-Futter,
Durch Modeschauen und Skandale schwebte,
In ihr war Adel noch ein strenges Mahnen,
Daß Überkommnes dien zu Müh und Pflichten,
Die Ungebornen ehrend wie die Ahnen,
Weiß sie der Zeit von Würde zu berichten.
Doch scheint Ihn’ diese Frau geringe Sache,
So schaun Sie, wie der Sarg des Totgebornen,
Das Kind, das fiel, eh ihm die Taufe lache,
Geschändet ward von Freveltat-Verschwornen.
Der Sarg ward aufgeschlitzt in ganzer Länge,
Man hielt was drin im Finstern für Geschmeide,
Und wird, zieht sich Verfolgung in die Länge,
Vernichten, was da niemands Augenweide.

KOPP: Sie habn vom Polizeidienst wenig Kunde,
Daß ein Skelett vorm Müllplatz sei bewahret,
Ist wünschbar, doch in eben dieser Stunde,
Gefahr sich rings für unsre Bürger scharet,
Da wird ein Friedhof Hakenkreuz-bepinselt,
Ein Grabstein fiel von jüdischen Verstorbnen,
Was meinen S’, wie mein Vorgesetzter winselt,
Wenn Presse schreibt vom Osten, vom verdorbnen?
Im Spielsalon ward ausgeraubt die Kasse,
Der Tankwart lebt verschanzt im Panzerglase,
Und auf dem Markplatz pöbelt wer von Rasse,
Nun kommen Sie mit Ihrer Chinavase.

PFARRER: So wollen Sie nichts tun, die Sach zu richten?
Was soll ich tun, um Künftges zu vermeiden?

KOPP: Der Staatsanwalt wird diesen Fall gewichten,
Wenn Sie die Aussag ordentlich beeiden,
Das weitre liegt dann ganz bei den Gerichten,
Die für den Frieden und das Land entscheiden.
Die Ungeduld ist dort nicht sehr am Platze,
Für mich ist wenig dran an dem Delikte,
Die Beute glich nicht grade einem Schatze,
Auch warn die Täter ziemlich Ungeschickte.

PFARRER: Grad wie der Speer des Logius unserm Herren,
Schon abgeschieden, noch die Hülle sehrte!
So will ich mich nicht diesem Zeichen sperren,
Das mich die Heiligkeit der Toten lehrte.
Verzeihen Sie, daß ich Sie hergeladen,
Ihr Kaffee kalt, doch wohlfeil ist ein neuer,
Denn netzte uns das Blut schon fast die Waden,
So fürchtet doch kein Mensch das Höllenfeuer.